Der Schützenverein mit seinen ca. 180 Mitgliedern ist Mitglied im

Niedersächsischen Sportschützen Verband ( NSSV), der wiederum

 im Deutschen SCHÜTZENBUND (DSB) Mitglied ist.

Aus der Vereinsgeschichte

Der Wille zur nationalen Einigung hatte am 11. Juli 1861 in Gotha zur Gründung des Deutschen Schützenbundes geführt. Der Aufruf des Protektors des neuen Bundes, des Herzogs Ernst von SachsenCoburgGotha, “für Deutschlands Ehre und Schutz ein unzerreißbares Band zu flechten", blieb auch in Hannover nicht ungehört, er war der Anlaß zur Gründung des Vereins für Freihandschießen, der am 13. Mai 1862 gegründet wurde. Die Gründungsversammlung fand in Kastens Hotel statt. 21 Schützen schlossen sich dem Verein an und erklärten gleichzeitig ihren Beitritt zum Deutschen Schützenbund.

In der ersten Schützenversammlung, die am 15. August 1862 im Lokal der Börse, Ecke Oster-Seilwinderstraße, stattfand und von 31 Mitgliedern besucht war, wurde der Gutsbesitzer Dr. med. August Brande zum Oberschützenmeister gewählt und der Obergerichtsanwalt Dr. von der Horst zum Schriftführer und Schatzmeister. Die Gründung des Vereins wurde der königl. hannoverschen Polizeidirektion durch den Advokaten Brinkmann mitgeteilt. Dem Schützenkollegium wurde bekanntgegeben, daß der Verein künftig an jedem Dienstag nachmittag und jeden Freitag in den Morgenstunden die Scheibenstände zu benutzen gedenke. Ziel des Vereins war, wie schon aus der Namensgebung ersichtlich ist, die Pflege des sportlichen Schießens.

Noch im gleichen Jahre beteiligte sich der Verein für Freihandschießen, zu dessen damaligen Mitgliedern bekannte Männer Hannovers, so Berthold Körting, Leonhard Körting, Fabrikant Gevecke und Buchhändler Krüger gehörten, an dem 1. Deutschen Bundesschießen in Frankfurt am Main.

Am 14. Oktober 1862 hatte der Verein sein erstes Herbst-Wettschießen veranstaltet, zu dem ein jedes teilnehmende Mitglied in der vollständigen Tracht des Deutschen Schützenbundes zu erscheinen hatte. Die Veranstaltung hatte einen schönen Werbeerfolg gehabt, und da die Freihandschützen auch weiterhin regen Anteil an dem hannoverschen Schützenwesen nahmen, stieg die Mitgliederzahl bis Ende 1862 auf 63 Schützen. 1865 konnte der Verein dann seinen ersten größeren Erfolg erringen, Ernst Gevecke gewann im 2. Deutschen Bundesschießen in Bremen einen Schnellfeuerbecher. Dieser Becher bildete den Grundstock zu dem umfangreichen Trophäenschatz, den der Verein heute in seinem Besitz hat.

 

Auf Grund der Erfolge, die der Verein und seine Mitglieder im ersten Jahrzehnt seines Bestehens hatte, erbat sich das Schützenkollegium die Mitwirkung der Vereinsmitglieder im Fest und Schießausschuß bei der Ausgestaltung des 4. Deutschen Bundesschießens 1872 in Hannover. Da aus Sparsamkeitsgründen eine Festhalle nicht vorgesehen war, erstellte der VfF auf seine Kosten eine große Festhalle, in der 1000 Personen Platz fanden. Auch zum 14. Deutschen Bundesschießen, welches im Juli 1903 ebenfalls in Hannover stattfand, bewies der VfF mit seinen Mitgliedern seine Großzügigkeit und sein Interesse am Deutschen Schützenwesen und stellte für die würdige Ausgestaltung 18000 Goldmark zur Verfügung.

1904 wurde Senator Carl Beuermann zum Oberschützenmeister gewählt, und unter seiner Führung wurden die ersten großen schießsportlichen Erfolge für den Verein errungen. Eine besondere Anziehungskraft übte das 25. Nordwestdeutsche Bezirksschießen 1904 in Hamburg auf unsere Mitglieder aus. Beim Eröffnungsschießen erhielt W. Ahlering den 3. Preis, einen silbernen Becher. Am 2. Freitag fand das Gesellschaftsschießen" statt, das von unserer Mannschaft Ahlering, Beckemeyer, Pätz und Werner gewonnen wurde. 14 Vereine nahmen an diesem Schießen teil, und unsere siegreiche Mannschaft wurde mit einem silbernen Eichenkranz mit Fahnenband ausgezeichnet. Da das "Gesellschaftsschießen" erstmals 1904 erwähnt wurde, ist wohl anzunehmen, daß dies der Anfang der späteren Mannschaftswettkämpfe gewesen ist. Ohne Überheblichkeit kann festgestellt werden, daß unsere Wettkampfschützen schon damals ausgezeichnete Leistungen vollbracht haben, gelang es ihnen doch, bei sämtlichen Bezirksschießen als Sieger aus den Mannschaftswettbewerben hervorzugehen.

 

Alle diese Erfolge waren kein Zufall. Schon ab 1880 wurde in den Wintermonaten im Ballhof mit dem Zimmerstutzen -Schießen begonnen. Diese Übungsabende, später nach Knickmeyer verlegt, galten aber auch der Hebung der Geselligkeit und des engeren Anschlusses der Vereinsmitglieder untereinander. Aber auch die sonstigen Erwartungen, die man an die Einführung des Winterschießens knüpfte, sowohl in geselliger Beziehung als auch hinsichtlich der Ausbildung der Mitglieder in bezug auf ihre Schießfertigkeit, erfüllten sich vollständig. Darüber hinaus bekam der Verein durch diese Abende wertvollen Mitgliederzuwachs.

 

Selbst den Damen wurde Gelegenheit zum Winterschießen geboten und für sie alljährlich ein Preisschießen veranstaltet. Diese Schießabende fanden bei den Damen großen Anklang und wurden lebhaft besucht. Die Annahme dürfte somit berechtigt sein, daß der VfF wohl der erste Verein gewesen ist, der auch den Damen sportliche Betätigung ermöglicht hat.

 

Aus der Fülle der sportlichen Ereignisse bis zum 1. Weltkrieg mag noch das Gruppenwettschießen um den vom Schützenkollegium gestifteten Pokal hervorgehoben werden. Dieser Pokal wurde nach zweimaligem Kampf, 1906 und 1907, endgültig vom VfF gewonnen. Ein weiterer Wanderpokal ging 1911 in unseren Besitz über.

 

Das 25jährige Bestehen des VfF, welches am 18. Mai 1887 gefeiert wurde, war für Hannover ein gesellschaftliches und schießsportliches Ereignis. In der Chronik des Vereins ist verzeichnet, daß zu diesem Jubiläum 12 Festscheiben, außer der Jagdscheibe, aufgezogen wurden.

Unübertroffen und nie wieder erreichbar wickelte sich das 50jährige Jubiläum des VfF vom 5.10. Mai 1912 ab. Der VfF hatte alles aufgeboten, um seinen Gästen und Mitgliedern etwas Großes und Außerordentliches zu bieten. Senator Carl Beuermann, dessen Name Rang und Klang im Deutschen Schützenwesen hatte, wollte bei diesem Jubiläum beweisen, daß auch ein einzelner Verein in der Lage war, ein großes Schießen aufzuziehen. Der Gabentempel hatte einen Wert von 32 000 Goldmark. Das Jubiläum stand unter dem Protektorat von Stadtdirektor Tramm und wurde am 5. Mai 1912 feierlichst eröffnet. Abends fand im Tivoli die große Festtafel mit Damen statt. Unter den Vertretern von städtischen und staatlichen Behörden befand sich auch der damalige Präsident des Deutschen Schützenbundes, Philipp, aus Nürnberg.

Am 10. Mai 1912 wurde abends beim Kommers im großen Saal des Schützenhauses die Siegerehrung durchgeführt. Oberschützenmeister Beuermann konnte mehrere hundert Ehrenpreise und die Geldprämien an die glücklichen Gewinner ausgeben. Die Siegerlisten liegen nicht mehr vor, aber es ist festgehalten, daß nur auf der Festscheibe "Hubertus" ein Mitglied des VfF den ersten Platz belegt hat, nämlich Adolf Borchers.

Durch das 50jährige Jubiläum hatte der VfF mächtigen Auftrieb bekommen. In kurzer Zeit schnellte die Mitgliederzahl auf über 400 hinaus, und damit war er der größte Verein in Hannover. Eifrig wurde der Schießsport gepflegt, aber auch die Geselligkeit nicht vergessen. Noch Anfang Oktober 1913 fand das letzte Herbst-Abschießen statt, verbunden mit Festessen und abschließendem Ball. Aber keiner der Teilnehmer hat wohl damals geahnt, daß es das letzte gesellschaftliche Ereignis werden sollte. Zwar fand 1914 noch das Städtische Freischießen statt, aber dieses war bereits von den Schüssen in Sarajewo überschattet. Keine 4 Wochen später donnerten die Kanonen, in der Ohe kehrte Stille ein. Auf viele Jahre.

Der 1. Weltkrieg stoppte die Aufwärtsentwicklung des VfF. Durch die Inflation verloren der Verein und die meisten Mitglieder ihr Vermögen, und es mußte wieder von vorne angefangen werden. Unter den Oberschützenmeistern Carl Beuermann und Fritz Schermer konnte der VfF sehr bald wieder an seine Vorkriegserfolge anknüpfen. Sie wurden tatkräftig unterstützt von den Schützenbrüdern Gevecke, Werner, Westermann, Ahlering, Sältzer und Pätz, die schon in früherer Zeit große Erfolge für den Verein errungen hatten.

Das Jahr 1925 bildete insofern einen Wendepunkt, weil von nun an junge Schützen die Reihen der Alt-Aktiven verstärkten. Die Jahre nach 1925 weisen folgende Höhepunkte auf:

 

1. Deutsche Bundesmeisterschaften

2. Nordwestdeutsche Pokalkämpfe

3. Städtewettkämpfe und Freundschaftsschießen mit Berlin und Hameln

4. Deutsches Bundesschießen

5. Deutsche Tumfeste

6. Hannoversche Verbandsmeisterschaften und Hannoversche Schützenfeste

7. Kampf um die Wanderstandarte der Hauptstadt Hannover.

Bei Betrachtung der langen Reihe dieser Veranstaltungen wird jedem offenbar werden, was die aktiven Schützen geleistet haben, um bei allen diesen Kämpfen fast 100%ig als Sieger hervorzugehen.

Fast jeder Wettkampfschütze hat bis zum Beginn des 2. Weltkrieges über 300 Wettkämpfe für den VfF durchgeführt. Wir denken da besonders an die Schützenbrüder Beckemeyer, Borchers, Pätz, Reiche, Brückel, Fiene, Krempel, Meier, Tegtmeier, Düe, W. Menge, Schwengel, Schaper, Heynich, Schmidt, Eckebrecht und Hellbrecht.

Ein Blick in unseren Vereinsschrank mit seinem nicht zu ersetzenden Silberschatz aus alter und neuer Zeit zeugt von dem großen Können der damaligen Aktiven des VfF. Dieser Silberschatz wurde von unserem Schützenbruder Otto Reiche 1945 gerettet. Er hat dafür gesorgt, daß 14 Tage vor dem Zusammenbruch Hannovers der Schatz in den Tresor der Deutschen Bank überführt wurde und daß nach der Besetzung Hannovers durch die Britische Armee die Silberkoffer nicht angerührt wurden, so daß nach 1945 der vollständige Trophäenschatz einschließlich des großen Deutschen Bundesmeister  Pokals in den neuen Vereinsschrank wieder eingereiht werden konnten.

Nun zunächst zu den Deutschen Bundesmeisterschaften. 1931 gelang es dem VfF ,die Verbandsmeisterschaft Nord mit den Schützen Meier (KK), Eckebrecht (Pistole), Menge (Wehrmann), Fiene (175 m) und Krempel (300 m) zu erringen. Damit konnte der VfF zum ersten Mal in der Bundesmeisterschaft den Verband Nord in Gera vertreten. Bei diesem Schießen erzielte die genannte Mannschaft die Höchstleistung, wurde aber auf Grund des Verteilungsschlüssels nur Vierter. Im Jahre 1932 wurde die Verbandsmeisterschaft zum zweiten Mal errungen und bei den Endkämpfen in Wiesbaden diesmal der 2. Platz erzielt. Im darauffolgenden Jahr, 1933, gelang dann zum ersten Mal der große Wurf. Der VfF wurde Deutscher Bundesmeister im 5WaffenKampf mit der Mannschaft Meier (KK), Krempel (Pistole), Menge (Wehrrnann), Fiene (175 m) und Brückel (300 m). Dieser große Erfolg von Wiesbaden konnte 1935 und 1936 wiederholt und damit der große Goldene Bundespokal von den Schützenbrüdern Fiene (175 m), Hellbrecht (Wehrmann), Krempel (Pistole) und Menge (KK) endgültig gewonnen werden. Zu erwähnen ist, daß die frühere Bundes meisterschaft im 5WaffenKampf anders ausgetragen wurde als nach dem 2. Weltkrieg. Bis 1933 setzte sich diese Disziplin aus Feld 300 m, Stand  175 m, Wehrmann  175 m, Keinkaliber  50 m und Scheibenpistole  35 m zusammen. Dieser Mehrwaffenkampf wurde 1935 umgeändert in Stand 175 m, Wehrmann 175 m, Keinkaliber  50 m und Scheibenpistole  50 m . Im Jahre 1937 wurden im Zuge der Gleichschaltung die drei Sportverbände ”Deutsches Kartell für Jagd und Sportschießen","Reichsverband Deutscher Kleinkaliber Vereine" und der "Deutsche Schützenbund' aufgelöst und zum Deutschen Schützenverband" zusammengeschlossen. Der Deutsche Schützenverband veranstaltete erstmalig am 10. Oktober 1937 in BerlinKaulsdorf Deutsche Meisterschaften im Scheibengewehr Schießen auf 175 m. Dieser Wettbewerb wurde mit 4er Mannschaften ausgetragen, und die Mannschaft des VfF, bestehend aus den Schützen Krempel, Eiche, Tegtmeier und Menge, wurde Deutscher Meister im Scheibengewehr Schießen. Auch im Jahre 1938 konnte der VfF diesen großartigen Erfolg wiederholen, nur schoß für den erkrankten Wilhelm Menge der Schützenbruder Karl Brückel. Als die siegreiche Mannschaft von Berlin Kaulsdorf zurückkehrte, gab die Stadt Hannover einen Empfang im Rathaus. Der Glückwunsch, den Bürgermeister Müller im Namen der Hauptstadt Hannover übermittelte, schloß mit folgenden Worten: "Dem Verein für Freihandschießen übermittele ich für den erzielten Erfolg meine herzlichsten Glückwünsche. Der VfF kann stolz darauf sein, die Deutsche Meisterschaft im Scheibengewehr Schießen errungen zu haben. Ich spreche den Wunsch aus, daß es dem Verein auch weiterhin vergönnt sein möge, mit seiner kampferprobten Mannschaft für den Hannoverschen Schießsport solch beachtliche Erfolge zu erringen. Ich spreche den Mitgliedern der Mannschaft meine Anerkennung aus. Es ist ein Sieg, mit dem der VfF seine großen Erfolge in früheren Jahren würdig fortsetzt. Es sind Erfolge, die mitwirken, daß man Hannover heute eine Hochburg des Deutschen Schützenwesens nennt.

 

Bei den Städte Wettkämpfen und den Freundschaftsschießen gegen Berlin und Hameln sowie bei dem Pokal und Kranzschießen des Verbandes Hannoverscher Schützenvereine waren bis auf wenige Ausnahmen die Schützen des VfF erfolgreich. Das gleiche Bild sah man bei den Kämpfen um die Wanderstandarte, die fast immer von unseren KK-Schützen errungen wurde. Bei dieser Gelegenheit muß des Schützenbruders Wilhelm Menge sen gedacht werden, der die Kampfmannschaften des VfF als Kanonengeneral" betreute und begleitete.

 

Die Schützenfeste der Stadt Hannover in den Jahren 19251939 ergaben zum größten Teil für den VfF die meisten "Besten Männer". Allein im Jahre 1938 wurden 20 ”Beste Mann" Ketten in das Festzelt eingebracht. Ein Erfolg, der von keinem hannoverschen Verein je erzielt wurde, Schützenbruder Friedrich Krempel errang hierbei allein 7”Beste Mann” Schilder.

 

1937 feierte der VfF sein 75jähriges Jubiläum, das mit einer Beteiligung von fast 400 Meisterschützen aus ganz Deutschland als das letzte große Schießen in die Geschichte des Deutschen Schützenwesens vor dem 2, Weltkrieg eingehen wird. Die technische Ausrüstung und Abwicklung des Festes war einzigartig und der Gabentempel in seiner Größe sehenswert.

 

Wo Freude ist, ist aber auch viel Leid. Im September des Jahres 1937 verlor der Verein seinen EhrenOberschützenmeister und größten Mäzen des Deutschen Schützenwesens, den Senator Carl Beuermann, der gerade für den aktiven Schießsport sein ganzes Leben lang sein Bestes gegeben hat.

 

Die großen Deutschen Bundesschießen 1927 in München, 1930 in Köln und 1934 in Leipzig wurden von jeweils 50 Schützenbrüdern besucht. Große Erfolge beim Schnellfeuerschießen (Eckebrecht, Reiche und Menge) und Beste Männer vor den einzelnen Scheiben (A. Söhlmann, Roloff und Gerber) stellten das Können der Freihandschützen unter Beweis. Auch diese Feste werden allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben.

 

Im Sommer 1939 sah man den VfF bei den KKWettkämpfen in Breslau anläßlich der Deutschen Tumspiele als Sieger. Die siegreiche Mannschaft setzte sich aus den Schützenbrüdem Fiene, Krempel, Tegtmeier und Brückel zusammen.

 

Dann begann der 2. Weltkrieg. 1945 endete das grauenvolle Geschehen mit all seinem Verlust an Hab und Gut und an Freunden. Der einrückende Feind fand nur noch Trümmer in unserer schönen alten Heimatstadt. Nur ganz langsam fand man einen Anfang, der für viele, viel schwerer war, als der nach 1918.

 

Ein Umschwung trat erst wieder mit der Rückkehr ünseres Oberschützenmeisters Heinrich Wiehemeyer aus dem Felde ein. Er hatte den Glauben an die Wiederauflebung des Schützenwesens nicht aufgegeben, und es ist sein Verdienst, daß er die alten Schützenbrüder wieder um sich sammelte, um zu gegebener Zeit den Wiederanfang zu machen. Getarnt als ”Verein für Fröhlichkeit" erging an einige Getreue die Einladung zu einer ersten Zusammenkunft bei "Mutter Pisewitt". Hier traf sich dann allmonatlich ein immer größer werdender Kreis, und allen Teilnehmern wird das erste geschlossene Wiedertreffen unvergeßlich bleiben, welches am Traditionsmontag im Mai des Jahres 1949 an langer Tafel im Garten von "Mutter Pisewitt" bei Molkebier und Rübenschnaps begangen wurde.

 

Schneller als erwartet durften sämtliche Vereine ihre Tätigkeit im Herbst 1949 wieder aufnehmen, darunter auch die Schützenvereine. Darüber herrschte große Freude unter den alten Getreuen, und es wurde beschlossen, alle erreichbaren Mitglieder zu einer Versammlung einzuladen, in der die Wiedergründung des Vereins für Freihandschießen vollzogen werden sollte. Am 5. September 1949 erfolgte im ”Thüringer Hof" die Wiedergründung des VfF, und unser Oberschützenmeister Heinrich Wiehemeyer wurde erneut in seinem Amt bestätigt. Die älteren Mitglieder Ludwig Menneking, Adolf Borchers und Hugo Rieseberg, die schon in früheren Jahren ein Amt als Schatzmeister, Zeugmeister und Schriftführer bekleidet hatten, wurden für diese Ämter wiedergewählt. Dem Aufbau des VfF standen nun keine Hindernisse mehr im Wege, die alten Mitglieder standen treu zu ihrem Verein und neue kamen hinzu. In der Jahreshauptversammlung am 4. April 1950 konnte unser Oberschützenmeister bereits einen sehr erfreulichen Bericht über die bisherige Entwicklung geben.

 

Inzwischen war auch als Dachorganisation für alle hannoverschen Schützenvereine der Verband Hannoverscher Schützenvereine gebildet worden. Der Schützenplatz war in bescheidenem Maße wiederhergestellt, und der Durchführung des Schützenfestes stand nichts mehr im Wege. Am Montag, den 3. Juli 1950, marschierten die Schützen nach elfjähriger Unterbrechung zum ersten Mal wieder vom Alten Rathaus durch die Innenstadt zum Schützenplatz, jubelnd von einer unübersehbaren Menschenmenge begrüßt. Auch der VfF war stark beteiligt, mehr Mitglieder als erwartet trugen ihre Schützenuniform, andere marschierten im schlichten Anzug.

 

Geschossen wurde auf die mit historischen Namen versehenen Festscheiben, allerdings nicht mit Pulver und Blei  was ja immer noch verboten war  sondern erstmals mit Luftgewehren.

 

Das erste Herbstfest nach dem 2. Weltkrieg wurde am II. November 1950 in sämtlichen Räumen des Deutschen Bierhauses gefeiert. Das Jahr 1951 brachte Freude und Leid. Am 24, März verschied das älteste Mitglied, Ehren Oberschützenmeister Friedrich Schermer, der nahezu 54 Jahre dem Verein angehört hatte. Nachdem er sich bereits in der Zeit des unvergeßlichen Carl Beuermann als 1. Zeugmeister bewährt hatte, wurde er 1924 zum Oberschützenmeister gewählt, bis er 1937 aus Altersgründen zurücktrat. Seine Ernennung zum Ehren Oberschützenmeister auf Lebenszeit war Anerkennung und Dank dafür, daß er in 14jähriger Tätigkeit den Verein zu hoher Blüte und an die Spitze aller deutschen Schützenvereine geführt hatte.

 

Auch das Schützenfest 1951 war wieder sehr erfolgreich, 5"Beste Männer" wurden vom VfF gestellt. Außerdem wurde die erstmals vom Schützenverband Niedersachsen ausgeschriebene "NiedersachsenMeisterschaft", welche in Braunschweig ausgeschossen wurde, gewonnen. Diese Erfolge gaben wieder Auftrieb für kommende Aufgaben.

 

Das 90jährige Stiftungsfest des VfF wurde am 17. und 18. Mai 1952 begangen, das Jubiläums Festschießen wurde auf den Scheibenständen im Hotel Mussmann durchgeführt. Es stand ein reicher Gabentempel zur Verfügung, und die Feierlichkeiten klangen mit dem Festkommers und der Preisverteilung in den Herrenhäuser Brauerei Gaststätten aus.

 

Im August 1952 mußten die provisorischen Schießstände im Deutschen Bierhaus auf gegeben werden, und es erfolgte der Umzug nach dem Hotel Mussmann, wo nicht allein vorbildliche Stände zu sportlicher Betätigung, sondern auch gemütliche Räume zur Pflege der Geselligkeit vorhanden waren. Bis Ende 1958 war hier unser Vereinsheim, das leider wegen anderweitiger Verwendung aufgegeben werden mußte. Nach vorübergehender Unterkunft im Wülfeler Jägerhaus ist seit 1961 das Schützenhaus Hannover unser Vereinslokal.

 

Ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte war die Gründung einer Damenabteilung, die von der Hauptversammlung am 25. Januar 1954 beschlossen wurde. Erstmals stand 1957 mit Marga Meyer, in der Disziplin 50 in national, eine Dame des VfF auf dem Siegerpodest bei deutschen Meisterschaften. Sie errang den 2. Platz in der Damenklasse 50 m KK. In den 60er und 70er Jahren konnten dann viele deutsche Meisterschaften und Medaillen von unseren Gewehr Damen errungen werden. Diese Leistungen wurden gekrönt durch die Teilnahme von Karin Lubach an den Europameisterschaften in Paris 1976 und die dabei errungene Silbermedaille (2. Platz LG). Der VfF war einer der ersten deutschen Schützenvereine, in dem Frauen völlig gleichberechtigt im Schießsport wie auch im Vereinsleben integriert waren. Ihre sportlichen Leistungen trugen zu einer schnellen Entwicklung des Damen Schießsports im Deutschen Schützenbund bei. Sie sind bis heute ein sportlich belebendes Element und aus unserem Vereinsleben nicht mehr wegzudenken.

 

Als im Jahre 1955 die große Entlassungsaktion deutscher Kriegsgefangener aus russischer Kriegsgefangenschaft lief, befand sich unter den Glücklichen auch der Oberstleutnant a.D. Harald Marve. Er war 1936 im Schnellfeuerpistolenschießen bei der Olympiade in Berlin 8, geworden. Nachdem er sich 1956 dem VfF angeschlossen hatte, erhielt die kleine Zahl an Scheibenpistolenschützen, erfolgreich angeführt von Friedrich Krempel und Heinz Deppe, starken Auftrieb. Den höchsten Mitgliederstand erreichte die Gruppe 1974, als ihr über 80 Pistolenschützen angehörten und an den Meisterschaften teilnahmen. Im Jahre 1973 wurde Harald Marve zum Ehrenmitglied ernannt. Ende 1975, mit 75 Jahren, übergab Harald Marve sein Amt an Georg Müller. Die Arbeit im Pistolenbereich wurde ohne Übergangsschwierigkeiten in seinem Sinne fortgesetzt. Die PistolenDamen machten in den folgenden Jahren durch Landesmeistertitel und Qualifikationen zur Deutschen Meisterschaft immer wieder auf sich aufmerksam. Brigitte Müller belegte 1976 in der Luftpistole den 3. Platz bei den Deutschen Meisterschaften. 1984 und 1985 konnten sich die Junioren der Pistolengruppe in die Siegerliste bei den Deutschen Meisterschaften in München mit zwei 3. Plätzen in der Luftpistole und Freie Pistole einreihen. Matthias Sürie wurde je 1. in der Luftpistole und der Freien Pistole und 1984 2. und in der Luftpistole. Damit sind die Aussichten auf ein erfolgreiches Weiterbestehen über das Jubiläumsjahr 1987 hinaus für die Pistolenabteilung die allerbesten.

 

 

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